Bericht zur Arbeitsgruppensitzung 2014

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Die diesjährige Tagung der GOR-Arbeitsgruppe „Health Care Management“ (HCM) fand auf Einladung des Westpfalz-Klinikums am 28. Februar 2014 in Kusel bei Kaiserslautern statt.

Bereits am Vorabend der Veranstaltung konnten sich die Teilnehmer bei einem gemeinsamen Abendessen intensiv austauschen. Die Arbeitsgruppensitzung tags drauf fand in der Kapelle des Krankenhauses in Kusel statt, was dem Treffen eine ganz besondere, sehr angenehme, Atmosphäre gab. Am Treffen der Arbeitsgruppe nahmen rund 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus unterschiedlichen Bereichen des Gesundheitswesens teil. Theoretiker und Praktiker nutzten die Gelegenheit für einen intensiven Austausch über aktuelle Entwicklungen im Operations Research und erfolgreiche Anwendungen in der Praxis.

Nach einer kurzen Begrüßung durch die Arbeitsgruppenleitung folgte eine Vorstellung des Westpfalz-Klinikums in Kusel durch den dortigen Geschäftsbereichsleiter, Herrn Reiner Beck. Das Westpfalz-Klinikum hat insgesamt vier Standorte, einen davon in Kusel mit insgesamt 244 Betten und 595 Mitarbeitern.


In Fortsetzung der Vorstellung des Klinikums berichtete Chefarzt Ulrich Korell von mehreren Projekten, die in Zusammenarbeit mit der HTW Saarbrücken realisiert wurden. Im Rahmen dieser Kooperation standen die Analyse und Auslegung von Lagerhaltungsstrategien für medizinisches Verbrauchsmaterial im OP-Bereich und in der Intensivstation im Vordergrund.

Andreas Fügener von der Universität Augsburg stellte anschließend in seinem Vortrag ein Projekt zur Schichtplanung von Ärzten im Krankenhausbereich vor. Die ursprüngliche Planung auf Basis von Excel wurde von einem OR-Modell abgelöst. Harte Beschränkungen wie Arbeitszeitgesetzte und notwendige Qualifikationen der Ärzte vor Ort stehen weichen Bedingungen wie den Wünschen der Ärzte bezüglich der Schichtplangestaltung oder der Ausbildung gegenüber. Die Komplexität des Problems macht das Problem rechenintensiv. Durch Einsatz eines datenbankbasierten Goal-Programming-Ansatzes konnten die Rechenzeiten deutlich verkürzt und die Verletzung von Soft Constraints deutlich reduziert werden.

 

Der Vortrag von Johannes Kriegel von der Fachhochschule Oberösterreich beschäftigte sich mit der Patientenlogistik im Krankenhaus und im Speziellen mit den Schnittstellen an welchen Patient und unterschiedliche Einsatzfaktoren zusammengebracht werden müssen. Hierbei ließen sich viele Fehlermöglichkeiten entlarven, die Herr Kriegel u.a. auch auf eine falsche Prioritätensetzung und eine fehlende Messung der Erfolgskriterien zurückführte. Der Ansatz stellte deshalb unterschiedliche Zielparameter, welche vorab von Experten priorisiert wurden, in einer Paarvergleichsmatrix zusammen.

Frau Alexandra Bernhardt von der HTW Saarbrücken stellte in ihrem Vortrag ein gemischt-ganzzahliges Optimierungsmodell zur Planung des täglichen OP-Programms vor. Basis für die Planung war die Analyse historischer OP-Zeiten wie bspw. die chirurgischen Vorbereitungszeiten und die Schnitt-Naht-Zeiten. Eine gründliche Aufbereitung dieser Daten, die Ermittlung der zugrundeliegenden statistischen Verteilungen und ein geeigneter Umgang mit Ausreißern unterstützen eine realitätsnahe Planung. Mehrere Planungsszenarien und deren Auswirkungen auf die verschiedenen Zielkriterien wurden mit Hilfe eines Goal-Programming-Ansatzes untersucht.

 

Der Vortrag von Sebastian Rachuba vom Städtischen Klinikum Solingen beschäftigte sich mit der Möglichkeit, durch Flexibilisierung der OP-Kapazitäten eine bessere Auslastung der OP-Säle zu erreichen. Gerade zeitweilig nicht genutzte OP-Kapazitäten sowie mehrmaliges Saalwechseln für OP-Teams waren auf die fehlende Priorisierung in der Zuordnung zwischen den einzelnen Fachrichtungen zurückzuführen. Flexibilisierung in zeitlicher und inhaltlicher Sicht kann hier helfen. Frühe Planung und fachbezogene Cluster von ähnlichen Operationen sowie eine CMI-orientierte OP-Planung dienen als Ansätze für Optimierungen.

Ein weiterer Vortrag zur OP-Planung stammte von Alexander Kressner von der Universität Hohenheim. Das vorgestellte stochastische Optimierungsmodell bezieht sich auf die Festlegung zyklischer OP-Pläne in Wochen-Rhythmus. Die Basis für die funktionsfähige und störungsarme taktische Planung bildete eine detaillierte statistische Analyse der bisherigen Operationszeiten. Das Modell arbeitet mit stochastischen Operationszeiten, die zunächst auf einer OP-Planung mit Erwartungswerten basieren. Angesichts der ohnehin nicht präzise voraussehbaren OP-Zeiten führt dieser Ansatz letztlich zu geringeren Überstundenzahlen und höheren Servicegraden.

Der Vortrag von  Michael Schröder vom Fraunhofer Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik in Kaiserslautern widmete sich der Standortplanung im Rettungsdienst und hier speziell der Standortplanung für Notärzte. Zentrales Element der vorgestellten Software „RescueAnalyzer“ sind sogenannte „Isochrone“ zur Ermittlung der Erreichbarkeit der Einwohner nach zeitlichen und räumlichen Komponenten. Hieraus lassen sich die optimalen Standorte für Notarztfahrzeuge errechnen. Dies setzt jedoch eine detaillierte Datenanalyse bezüglich Einsatzaufkommen und Durchschnittgeschwindigkeiten auf unterschiedlichen Streckenprofilen voraus.

Lara Wiesche von der Ruhr Universität Bochum berichtete ebenfalls über ein mehrjähriges Projekt mit der Feuerwehr Bochum zur Versorgungsqualität im Rettungsdienst. Die zentrale Analysegröße im vorstellten Optimierungsmodell stellt dabei die Mehrfach-Abdeckung dar. Notwendig ist diese, falls in einem Gebiet ein Rettungswagen im Einsatz ist und gleichzeitig ein weiterer benötigt wird. Mit Hilfe von Nachfrage- und Geschwindigkeitsdaten konnten What-if-Analysen durchgeführt werden, mit welchen zeitlich sehr unterschiedlich verteilte Abdeckungswerte dargestellt wurden. In der Kombination von Optimierung, Prognose und Simulation konnte so gezeigt werden, dass durch geringe Rückgänge in einzelnen Regionen eine deutliche Steigerung der Abdeckung in anderen Regionen erreicht werden könnte und so die Versorgungsqualität deutlich verbessert werden kann.

Über ein Projekt zur praktischen Anwendung von OR berichtete Vera Mößlang von der Hochschule Neu-Ulm. Ziel des Projektes war es, die Prozesse einer Betriebskrankenkasse aufzunehmen und diese mittels einer Discrete-Event-Simulation (DES) abzubilden. Durch die DES ergab sich die Möglichkeit, nicht nur die Abläufe, sondern auch die zeitlichen Restriktionen zu modellieren und Engpässe zu ermitteln. Ins Zentrum der Analyse rückten folglich die Erfahrungswerte der Mitarbeiter bezüglich der Dauern der einzelnen Prozessschritte. Hierbei galt es zunächst, die anfängliche Skepsis der Mitarbeiter bezüglich der Methode zu überwinden. Auf Basis dieser Daten konnten schließlich unterschiedliche Szenarien simuliert werden.

Eduardo Urbina-Valdespino von der Health Economics & Outcomes Research (HEOR), Group Deloitte in Brüssel, stellte in seinem Vortrag ebenfalls eine Discrete-Event-Simulation vor. Für England wurden verschiedene Szenarien simuliert, um zu zeigen, inwieweit geeignete Präventionsmaßnahmen bereits vor akuten Schlaganfällen helfen könnten, die Lebensdauer zu verlängern sowie die Kosten der Behandlung zu senken.

Die Arbeitsgruppensitzung schloss mit einem kurzen Bericht der Arbeitsgruppenleitung sowie einem Hinweis auf die anstehende OR-Tagung in Aachen.